Steuer

Betriebskosten von der Steuerschuld abziehen

Unabhängig von der Höhe des Einkommens und des persönlichen Steuersatzes kann laut
§ 35a Abs. 1 bis 3 des Einkommenssteuergesetz (EKSTG) jede einkommenssteuerpflichtige Privatperson (Mieter/in) seit dem Jahr 2003 einmal jährlich Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen in der Steuererklärung als Steuervorteil geltend machen. Seit 2006 gilt dieser Erlass auch für einen Teil der Betriebskosten innerhalb der Betriebskostenabrechnung. Im Januar 2009 hat das Bundesministerium für Finanzen die Vorschriften zur Förderung von Familien und privaten Haushalten gebündelt und die anrechenbaren Beträge zur Förderung von haushaltsnahen Dienstleistungen, haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen und Handwerkerleistungen verlockend erhöht, um dem riesigen Markt an „Schwarzarbeitern“ im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und der „unter der Hand“ ausgeführten Reparatur – und Renovierungsarbeiten Einhalt zu gebieten. Die Hoffnung, das aufgrund der staatlichen Steuervergünstigung die Bereitschaft in der Bevölkerung wächst, haushaltsnahe Dienstleistungen wie z. B. die Arbeit von Haushaltshilfen oder Kinder – und Seniorenbetreuung – die bisher in der überwiegenden Zahl „privat“ gehandhabt bzw. bezahlt wurden – in offizielle Arbeitsverhältnisse umzuwandeln und somit neue Arbeitsplätze zu schaffen, mag angesichts der hohen Entlastung bei der Steuerschuld berechtigt sein. Die Tatsache, das seit dem neuen Erlass des Bundesfinanzministeriums Lohn – Maschinen – und Fahrtkosten für Handwerkerleistungen z. B. bei Schönheitsreparaturen oder Modernisierungsarbeiten seitens der Mieter ebenfalls steuermindernd wirken ist sicher ein Anreiz, erforderliche Arbeiten von Fachfirmen offiziell mit Rechnung erstellen zu lassen, um in den Genuss der Steuervergünstigung zu kommen. Auch einige Positionen der Nebenkosten aus der jährlichen Betriebskostenabrechnung sind als haushaltsnahe Dienstleistungen, haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Handwerkerleistungen unter bestimmten Voraussetzungen vom Mieter in seiner Steuererklärung geltend zu machen und führen für ihn zu einer steuerlichen Entlastung in dem Jahr, in dem die Nebenkosten tatsächlich abgerechnet und bezahlt wurden.

1. Was muss der Mieter/in beachten, um Nebenkosten aus der Betriebskostenabrechnung als haushaltsnahe Dienstleistungen, haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Handwerkerkosten steuermindernd in seiner Steuererklärung geltend zu machen?

Der Mieter/in muss in seiner Steuererklärung durch die Vorlage der Betriebskostenabrechnung oder durch eine separate Bescheinigung des Vermieters nachweisen, ob und in welcher Höhe Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Handwerkerleistungen im Abrechnungszeitraum der Betriebskostenabrechnung entstanden sind und wie hoch sein Anteil an diesen Kosten ist. Die Betriebskostenabrechnung muss für alle haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen aufgeschlüsselte Rechnungsbeträge enthalten, die den Anteil an Material – und Lohnkosten gesondert ausweisen, denn es sind keine Materialkosten, sondern nur Lohn –Maschinen – und Fahrtkosten steuerlich abzugsfähig. Alle Rechnungen müssen nachweislich bargeldlos, d. h. per Überweisung auf das Konto des Dienstleisters bezahlt worden sein. Bar bezahlte Rechnungen werden nicht steuerermässigend angerechnet, das heisst auch die Nebenkostenabrechnung bzw.eine eventuelle Nachforderung daraus muss der Mieter per Banküberweisung an den Eigentümer bezahlt haben und den Beleg seiner Steuererklärung beifügen. Der Vermieter muss dem Mieter die nötige Bescheinigung bezüglich seines Anteils an den Betriebskosten für die Steuererklärung ausstellen, allerdings gilt diese Verpflichtung nur dann, wenn die erforderlichen Angaben über die Kostenaufteilung unproblematisch zu leisten sind. Hat der Vermieter in den vergangenen Jahren z. B. die Kosten für die Treppenhaus – und Waschkellerreinigung pauschal abgerechnet, weil die Reinigungsfirma eine derartige Vertragsvereinbarung mit dem Vermieter geschlossen hatte und die Firma weigert sich nun, die Aufwendungen für Material (Reinigungsmittel, Arbeitskleidung etc.) und Lohnkosten separat aufzulisten, kann der Mieter/in vom Vermieter keine aufgeschlüsselte Bescheinigung über diese Position der Betriebskostenabrechnung verlangen und sie dementsprechend auch nicht steuerlich geltend machen. Der Mieter/in kann die Nebenkostenabrechnung nur in dem Jahr steuerlich mindernd in seiner Steuererklärung geltend machen, in dem er sie tatsächlich erhalten und bezahlt hat. Sollte die Betriebskostenabrechnung zum Zeitpunkt der fälligen Steuererklärung noch nicht erstellt sein, muss der Mieter/in selber entweder eine Fristverlängerung für seine Steuererklärung beantragen oder dafür sorgen, das die Nebenkostenabrechnung nachgereicht werden kann. Der Vermieter ist nicht verpflichtet, dem Mieter schon vor Erstellung der gesamten Betriebskostenabrechnung seinen Anteil auszurechnen und mitzuteilen bzw. zu bescheinigen. Der Vermieter ist mit Aushändigung der Bescheinigung an den Mieter/in für die Richtigkeit der Kostenaufstellung in der Betriebskostenabrechnung verantwortlich.

2. Welche Positionen in der Nebenkostenabrechnung gelten als haushaltsnahe Dienstleistung, haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis und Handwerkerkosten und sind vom Mieter entsprechend der rechtlichen Vorgaben des §35a des Einkommenssteuergesetzes (EKSTG) zur Steuerminderung nutzbar?
Als haushaltsnahe Dienstleistungen, haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Handwerkerleistungen innerhalb der Betriebskostenabrechnung gelten in der Regel alle anfallenden Wartungs – und Reinigungsarbeiten, die mit der gemeinschaftlichen Nutzung des Gebäudes zusammenhängen wie z. B. Treppenhaus – und Waschkellerreinigung, Wartung und Reinigung der Heizungs – und Warmwasserversorgungsanlage oder des Aufzugs, Gartenpflege und Winterdienst, Hausmeisterarbeiten, Schornsteinfegerkosten oder die Ungezieferbekämpfung.
Zusätzlich kann der Mieter/in als steuerpflichtige Privatperson steuerlich abzugsfähige Lohn – Maschinen – und Fahrtkosten aus Handwerkerleistungen für seine selbst genutzte Wohnung geltend machen, wenn er z. B. Reparaturarbeiten in der Wohnung oder an Haushaltsgeräten von Handwerkern (Dienstleistern) vornehmen lässt, Renovierungsarbeiten in den Mietwohnräumen in Auftrag gegeben und per Überweiung bezahlt hat, Modernisierungsarbeiten für Bad oder Küche zu seinen Lasten vorgenommen wurden und Erhaltungsarbeiten wie Malerarbeiten oder der Austausch des Bodenbelags durch Handwerker stattgefunden haben. Für alle Handwerkerleistungen, die der Mieter/in beim Finanzamt in Anrechnung bringen möchte, muss er eine nach Material – und Lohnkosten aufgeteilte – mit dem Nachweis der unbaren, d.h. durch Banküberweisung auf das Konto des Dienstleisters bezahlte Rechnung beim Finanzamt vorlegen, um von der Steuerermässigung zu profitieren.

3. Wieviel Prozent der entstandenen Kosten durch haushaltsnahe Dienstleistungen und haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse kann eine steuerpflichtige Privatperson (Mieter/in) laut § 35a des Einkommenssteuergesetz ( EKSTG) steuerlich in Abzug bringen?

Entspricht das haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnis (z.B. stundenweise Putzhilfe) einer geringfügigen Beschäftigung (max. 2250 € jährliche Kosten), die sich durch einen privaten Haushalt begründet und in einem inländischen Haushalt ausgeübt wird, vermindern sich auf Antrag des Steuerpflichtigen die Aufwendungen um 20 % bzw. maximal 510 €, die von der tariflichen Einkommenssteuer des steuerpflichtigen Antragstellers abgezogen werden.
Bei anderen haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen oder haushaltsnahen Dienstleistungen können auf Antrag des Steuerpflichtigen 20 % der Rechnungssumme bis zu einem maximalen Betrag von 4.000 € in der Steuererklärung als Steuervorteil in Abzug gebracht werden. Wer also eine sozialversicherungspflichtige Angestellte oder einen selbstständigen Dienstleister für die Kinder – oder Seniorenbetreuung in seinem Haushalt beschäftigt hat und für die Bezahlung 20.000 € im Jahr ausgegeben hat, kann den maximalen Wert von 4.000 € an Steuerminderung ausschöpfen. Die Steuervergünstigung kann auch in Anspruch genommen werden, wenn Aufwendungen erforderlich sind, die für andauernde Pflege – und Betreuungsleistungen oder wegen der Unterbringung in einem Heim benötigt werden, soweit darin Dienstleistungskosten enthalten sind, die auch durch eine Haushaltshilfe entstehen würden und nicht zu den Standardleistungen des Heimes gehören.

4. Was sind „haushaltsnahe Dienstleistungen oder haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse“ ?
„Haushaltsnah“ beschreibt eine Tätigkeit, die unmittelbar mit der Versorgung des inländischen privaten Haushalts des Anspruchstellers zu tun hat und vom Dienstleister in selbstständiger Tätigkeit oder in einem haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnis erbracht wird. Haushaltsnahe Dienstleister oder Beschäftigungsverhältnisse können sein:
eine Haushaltshilfe, die die Mahlzeiten der Familie im Haushalt zubereitet oder
eine Kinderfrau, die im Haushalt die Kinder betreut und versorgt oder
eine Person, die regelmässig nötige Gartenpflegearbeiten auf dem Grundstück des privaten Haushalts erledigt oder
ein Pflegedienst, der ältere oder hilfebedürftige Menschen im Haushalt versorgt oder
eine Haushaltshilfe, die bei der Reinigung einer eigenen, abschliessbaren Wohnung in einem Seniorenheim hilft oder
ein Umzugsdienstleister, der beim privaten Umzug hilft.

5. Wieviel Prozent der entstandenen Kosten durch Handwerkerleistungen kann eine steuerpflichtige Privatperson (Mieter/in) laut § 35a des Einkommenssteuergesetz ( EKSTG) steuerlich in Abzug bringen ?
Nach § 35a Abs. 3 des Einkommenssteuergesetzes (EKSTG) sind Handwerkerleistungen ebenfalls einmal jährlich mit 20 % der Rechnungssumme (max. 6.000 € jährlich) bis zu einem maximalen Betrag von 1.200 € vom Steuerpflichtigen als Steuervorteil geltend zu machen. Steuerlich abzugsfähig sind laut Erlass des Bundesfinanzministeriums nur die Lohn – Maschinen – und Fahrtkosten inklusive der sich aus diesen Positionen ergebenden Mehrwertsteuer von der Handwerkerrechnung, wenn es sich um ein selbstständiges Dienstleistungsunternehmen handelt.

6. Was sind abzugsfähige Handwerkerleistungen ?
Abzugsfähige Handwerkerleistungen in einem zu eigenen Wohnzwecken genutzten inländischen Privathaushalt sind Renovierungs – Erhaltungs – und Modernisierungsarbeiten wie:
Malerarbeiten an den Innen – und Aussenwänden, Türen, Fensterrahmen, Heizkörpern oder
Reparaturen oder Austausch der Fenster, des Bodenbelags, der Heizungs – Warmwasseranlage oder
Badmodernisierung oder
Pflasterarbeiten auf dem Grundstücks oder
Wartung von Haushaltsgegenständen (Waschmaschine, Trockner, Herd etc.) oder
Montage einer neuen Einbauküche oder
Kontrollaufwendungen (Schornsteinfeger, Blitzschutzanlage, Abgaswertemessung der Heizanlage).